Der Ambassador im Gefängnis



Umzugszeit, aber ohne ein Auto zu mieten, sondern mit der Straßenbahn und zwei Rucksäcken.

Das Generator Hostel war bis zum letzten Bett ausgebucht, also habe ich mir eine neue bleibe suchen dürfen und bin dann bei Abigails Hostel untergekommen.

Es ist etwas günstiger, etwas weniger cool, so ohne Frühstück, Bar oder Billard-Tische aber dafür etwas abgewohnter und mitten in Temple Bar, der Partymeile der Stadt.

Mein erster Gedanke als ich hier angekommen bin? Let´s hit the road and get lost.


Erst war ich Ambassador und dann im Gefängnis, meine Wege sind unergründlich.

Heute habe ich mir auf Empfehlung das Kilmainham Gaol ansehen wollen - das wohl bekannteste Gefängnis in Irland. Die Tickets für die geführten Touren sind normalerweise immer mindestens 10 Tage im Vorfeld ausgebucht, aber das habe ich erst vom Sicherheitsdienst am Eingang erfahren. Alleine herumlaufen und erkunden ist aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Er empfahl mir morgens ab 9.15 Uhr auf der Website zu prüfen ob es evtl. Stornierungen gab und wieder Tickets zur Verfügung stehen. Als ich grade gehen wollte hat er mir dann freundlicherweise angeboten, dass ich das Museum des Gefängnisses und die Ausstellungen zur Geschichte, den Insassen und der Restaurierung besuchen könne. Als Trostpflaster hielt er mir ein kostenfreies Ticket hin und meinte „this one is one me, want to make sure you didn´t came here for nothing“…

The luck of the Irish I guess. (Hier vierblättriges Kleeblatt einfügen.)


Als ich dann mit dem Museum fertig war und grade gehen wollte überfiel mich die Idee einfach mal an dem Info Point zu fragen ob es für morgen oder die kommenden Tage bereits Stornierungen gab. 

Das wurde bedauerlicherweise verneint, aber als ich auf die Frage wieviele Tickets ich bräuchte, wahrheitsgemäß mit grinsend antwortete und sagte das wir zu dritt wären - me, myself and I, musste die Dame so heftig lachen, dass Sie mir doch noch eine Tour für in 50 Minuten verkaufte.

The luck of the Irish I guess. (Das Kleeblatt fehlt noch immer.)


Also zum Gaol, denn In der Geschichte Irlands spielte es eine bedeutende Rolle, da viele irische Rebellenführer und nationalistische Politiker im Kilmainham Gaol inhaftiert waren und mehrere von ihnen hier hingerichtet wurden. Betrieben wurde es zu dieser Zeit von der British Army. Im Hof des Gefängnisses befindet sich eine Gedenkstätte für die hier hingerichteten Anführer des Osteraufstandes 1916. 

Die Sidefacts sind aber nicht weniger bemerkenswert, denn vor einhundert Jahren war betteln noch Illegal und jeder wurde gleich bestraft, wenn anzunehmen war, dass er sein Fehlverhalten verstehen konnte. Folglich bzw. tatsächlich war der jüngste Insasse ein dreijähriger der um Essen gebettelt hatte, denn damals war Bettel unter Strafe verboten. Er wurde verurteilt zu 14 Tagen Haft, denn die Strafen waren damals um einiges kürzer, denn für die schlimmeren Verbrechen, beginnend bei Diebstahl, gab es die Todesstrafe - üblicherweise durch erschiessen.

Nach der Unabhängigkeit Irlands im Jahre 1924 wurde es stillgelegt und es verfiel langsam. Einige Jahrzehnte später, in den 1960er Jahren, fanden sich Freiwillige die sich der nationalen Bedeutung bewusst waren bzw. wurden und welche sich dann selbst organisierten und ohne staatliche Hilfe oder Unterstützung sich daran machen das seit gut 30 Jahren leer stehende Gefängnis zu restaurieren und zu einem Museum und Gedenkstätte zu machen. Es wurden in ganz Dublin Schilder aufgehängt und Freiwillige gesucht, selbst Leute ohne Kenntnisse waren eingeladen sich zu melden und taten es auch reichlich.

Heute war Schmalhans der Küchenmeister, ein Päckchen mit fertigen Sandwichs aus dem Supermarkt und ein paar Brombeeren - Living on a Budget Dinner.


Mittlerweile ist Nachmittag und ich komme mit meinen Einkäufen ins neue Hostel, hole meinen Rucksack aus dem Gepäckraum und kaum auf dem Zimmer angekommen, war ich gleich im Gespräch mit der kompletten Belegschaft meines Zimmers, in welchem jedoch 2 Betten unbelegt waren. Also wieder ein Achtbettzimmer und gleich den Videograf und hoffentlich zukünftigen Filmregisseur Jezza aus Kanada kennengelernt. Die anderen freundlich, aber typisch amerikanisch zurückhaltend. Nach ein bisschen Smalltalk haben Jeremy und ich dann in der Lobby gegessen, dort noch Alice aus Zürich getroffen und Abends sind wir dann noch zu dritt was trinken gegangen. Wir sprechen die ganze Zeit englisch, weil es selbst der Schweizerin leichter fällt als Hochdeutsch - ich war sprachlos, aber amüsiert.

Auf den Ort des Trinkens bin ich ausnahmsweise selbst gekommen, denn die Saint Marys Church ist eine alte, sich im Ruhestand befindliche  Kirche die nun eine Bar bzw. Club ist.  Es gab keinen Messwein, sondern ein Pint Guiness und Hophouse 13 nach dem anderen. Dieses Hophouse 13 ist übrigens ein Bier aus der Guinness Brauerei, aber hell, sehr hopfig und so erfrischend das ich mein erstes Pint im ersten Schluck halbleer getrunken habe. 


Three is a crowd - Drei sind eine Gruppe.

Da der Abend so nett ist, haben wir uns noch spontan bevor Alice sich in Richtung Bett verabschiedet hat, zu einem gemeinsamen Frühstück in der Lobby des Hostels verabredet.




Das Haupttor des Kilmainham Gaol



Gefängnismauern faszinieren mich immer wieder, 
die haben einfach was - Aussicht aber nicht.



Der Haupteingang des Gaol.



Gedenkstätte für die hier hingerichteten Anführer des 
Osteraufstandes 1916.


Einer der gesperrten Gänge des Gaol.
Damals wie heute dachte man, dass es hilfreich wäre, wenn ein gewisser Luftzug herschen würde und so alle Krankheitserreger fortgeweht würden, also gab es kein Glas in den Fenstern.



Der Innenhof wurde so konstruiert, dass man von jedem Punkt fast alle Zellen im Blick haben konnte.



Die Zellen der berühmten Wiederstandskämpfer sind alle mit Ihren Namen versehen. Diese ist jedoch mit einer besonderen Geschichte verbunden, denn hier war Grace Grace Gifford inhaftiert. An der Tür steht jedoch in noch größeren Lettern "Mrs. Joseph Plunkett" und das ist darauf zurück zuführen, dass Sie den Anführer des Osteraufstand 1916 im Gaol heiratete - sechs Stunden vor seiner Hinrichtung. Ihnen wurden 10 Minuten gemeinsame Zeit nach der Hochzeit zugestanden welche Sie schweigend und Ihre Hände haltend verbrachten. Das einzige was zu hören war, war die Stimme der Wache die jede verstrichene Minute verkündete.



In Ihrer Trauer um Ihren hingerichteten Mann fand sie Trost in der Malerei und man gestattete Ihr die Wand Ihrer Zelle zu bemalen. Diese Malerei ist bis heute erhalten, und die Zelle verschlossen, so dass eine Besichtigung nur durch das Guckloch möglich ist.



Alle Zellen waren gleichsam spartanisch eingerichtet, auf diesem Bild fehlt nur ein Eimer als Toilettenersatz.



Die gibt's heute auch nicht mehr, sondern nur noch im Museum.



Die St. Marys Church von Innen...



...und außen.









Kommentare

  1. Sebastian, du brauchst eine bessere Cam. So vielfältige Eindrücke aber leider etwas unscharf. Oder liegt das an dir? ;-) LG Van

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  2. Hier, ein lizenzfreies Kleeblatt für Dich:

    https://pixabay.com/de/photos/kleeblatt-kleebl%c3%a4tter-irisch-tag-445255/

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