Der rote Mazda CX5

Nach dem Frühstück wird Jezza abgeholt, da er sich via Worldpackers für einen 14 tägigen Arbeitseinsatz angemeldet hat. Nennt sich dann Volunteering und bedeutet im Grunde genommen, am Tag 5h körperliche Arbeit und im Austausch gestellte 3 Mahlzeiten am Tag und ein kostenfreies Bett in einem eigenen Gästezimmer. Natürlich alles transparent, alle Teilnehmer müssen sich mit Ausweisdokumenten registrieren, es gibt Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer und es ist abgestimmt auf die eigenen Fähigkeiten. Klingt interessant, ich lade die App mal herunter und schaue ob ich sowas auch in mein Abenteuer integrieren könnte. In Deutschland undenkbar - Schwarzarbeit.


Bei dem Weg zum Treffpunkt haben wir frühzeitig die Straßenseite gewechselt, da wir den River Liffey überqueren mussten und noch ein Stück am zur nächsten Brücke laufen mussten. Direkt am Wasser schien die Sonne und da der morgen noch frisch war, kamen uns die UV-Strahlen grade recht. Etwa 60 Sekunden später Polizeisirenen, hört man hier so häufig wie in Frankfurt, aber dann rauscht ein roter Mazda SUV an uns vorbei und kommt mit quietschenden Reifen in einer Bushaltebucht, auf unserer Höhe aber auf der gegenüberliegen liegenden Straßenseite, zum stehen. Direkt dahinter kommt ein schwarzer ziviler Streifenwagen, von das Sirenengeheul ausgeht, angeflogen. Erst dachte ich der Mazdafahrer hat eine sehr ambitionierte Art den Einsatzkräften etwas Platz zu machen, da es vor einer Engstelle und einer roten Ampel passierte. Aber als der Polizeiwagen ebenfalls mit stinkenden, quietschenden Reifen zum stehend kommt, ein schreiender Polizist aussteigt, seine Dienstwaffe bereits in der Hand hält und auf den Mazda zurennt, ja da wurde mir klar, dass es kein Platz machen sein konnte. Im nächsten Moment beschleunigt der Mazda wieder und prescht über den Gehweg, über ein Fahrrad welches angelehnt an einer Hauswand stand, seinen Außenspiegel verlierend und knapp an einem, sich in einen Hauseingang rettenden Fußgänger, vorbei. Der Polizist rennt zurück auf die Beifahrerseite seines Dienstwagen, dieser setzt hastig zurück und folgt dem Mazda, aber über die Kreuzung nicht den Fußweg. Die wilde Hatz geht noch ein Stück am Ufer weiter, dann wieder quietschende Reifen und das Blaulicht rast, dem großen Roten hinterher und wechselt über eine Brücke auf die andere Seite des Ufers. Die morgendliche Jagd geht weiter, denn weitere Polizeiwagen folgen, ein tief fliegender Hubschrauber gibt sich die Ehre und langsam entfernt sich das Sirenengeheul von uns. Okay, jetzt ist der leichte hang-over weg und ich bin hellwach. Kurz auf der anderen Straßenseite mit dem Fußgänger gesprochen der noch immer zitternd, aber unversehrt im Hauseingang steht. Wir haben das noch garnicht so ganz verarbeitet, da wird uns auch schon aus einem vorbeifahrenden Auto gewunken und Jezza wird hinter der nächsten Kreuzung abgeholt.


Da ich jetzt wieder wach bin gehe ich ein bisschen auf Wanderschaft in Dublin und sehe mir unter anderem das Trinity College an. Fühlt sich irgendwie an, als hätte ich eine Eule aus Hogwarts bekommen. Ich stelle fest, wie sehr ich diese alten, ehrwürdigen Gebäude mag und in einem etwas abseits gelegenen des Campus lasse ich mich an einem Baum nieder, genieße die Sonne, die Aussicht und einen Apfel den ich noch in meinem Rucksack aus dem ersten Hostel hatte. Das Irish Whisky Museum ist eher eine Verkaufsveranstaltung für Touristen mit großem Geldbeutel erzählen mir ein paar Studenten, ebenso wie die Temple Bar - also let´s skip this. Am Abend bin ich noch mit der Doktorandin Alice zum japanisch Essen gehen verabredet, da Sie am kommenden Morgen ebenfalls nach Cork zu einer Konferenz aufbrechen wird. Ursprünglich hatte ich geplant nach dem Essen zeitig ins Bett zu gehen, da die letzte Nacht ein paar Stunden kürzer war aber uns einen Hut reicher gemacht hatte. So weit der Plan, aber als ich nach dem Essen auf dem Zimmer angekommen bin, wurde ich kurzer Hand von Daniel, Colton, Jayda und Emilee dazu überredet, dass die Nacht noch jung sei und ich Ihnen auf ein Pint anschließen solle.


Spoiler: Es blieb nicht bei einem Pint, es wurde hell als wir ins Bett gekommen sind. Leider geil.





Haupteingang des Trinity College



Ein Bruchteil des Campus...




...welcher mich mit seiner Geschichte und den alten Mauern fasziniert hat.



Der Long Room der Library des Trinity College mit einigen Exponaten z.B. dem Book of Cells...



... oder der Harfe des Trinity College, einem mittelalterliches Musikinstrument. Es ist eine frühe irische Harfe, sie stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und ist zusammen mit der Queen Mary Harp und der Lamont Harp die älteste von drei erhaltenen mittelalterlichen Harfen aus der Region. 
Die Harfe wurde als Modell für das Wappen von Irland und für das Warenzeichen von Guinness Stout verwendet.











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