Pläne sind nichts, Planung ist alles!

Erstmal ausschlafen und dann in aller Ruhe frühstücken und etwas bloggen, natürlich wie immer mit zeitlichem Verzug. Glücklicherweise war ich großzügig einkaufen und kann mich in der Küche, der ehemaligen Sakristei, ganz gut selbst versorgen. In der Küche werde ich vom Host freundlich begrüßt, der grade verschlafen in Richtung der Herrenduschen schlurft. Vom Geruch angelockt schaut er mit großen Augen in die Pfanne auf dem Herd und ist über die Wahl meines Frühstücks zugleich amüsiert und verwundert - Black Pudding, Eier, Toast und schwarzer Kaffee. Das gibt Energie für den ganzen Tag und ist so herrlich herzhaft. Die Definition von Black Pudding borge ich mir mal von Wikipedia um keinen Mist von mir zu geben:  

Blutpudding ist eine Fleischspeise aus gebackenem Schweineblut. Er wird als Blutwursterzeugnis mit Getreideanteil definiert. Das Gericht entspricht dem Grundsatz der kompletten Verwendung der Schlachtprodukte. Für die Zubereitung wird frisches Blut mit Zutaten vermengt und in eine Auflauf-/Kuchenform gegeben.

Danke Wiki, ich übernehme und schneide den Pudding in dicke Scheiben und brate diese in der Pfanne scharf an bis sie außen knusprig und von innen weich und warm sind.


Nach dem Frühstück und einem neuen Blogeintrag nehme ich mir vor aus den gesammelten Eindrücken von gestern einen Schlachtplan zu schmieden und zu buchen was zu buchen ist. Spontan ist ja eigentlich meine Devise aber wenn ich für das Schloss schon 3 Tage Vorlauf benötige, dann möchte ich doch nicht riskieren, dass ich etwas durch Müßiggang verpasse, wäre ja schade drum.

Also für die kommenden Tage stehen dann das Museum, eine Wanderung zu Arthurs Head, eine Edinburg Underground Tour, eine Harry Potter Walking Tour und 2 Tagesausflüge mit Rabbies auf dem Plan. Wenn ich die Chance habe von hier aus zum Loch Ness zu kommen und dann noch die Rosslyn Chapel zu sehen, wo Dan Browns „Sakrileg“ spielt bzw. endet, dann nichts wie hin.

So schnell glüht die Kreditkarte, sind die Tage voller Planungen und die Vorfreude steigt wie ein Luftballon. 


Nachdem ich meine Planungen nun beendet habe sitze ich da und überlege was ich mit dem angebrochen Tag nun anfangen soll. Ich fühle mich etwas müde und möchte gerne ein bisschen relaxen und abschalten, aber da sehe ich vor meinem inneren Auge den Schweinehund grinsen weil er denkt er habe gewonnen und ich einen Tag verloren. Ein kleiner Geistesblitz kickt und ich denke nur das passiert mir nicht, denn ich bin hier um Erinnerungen zu sammeln und tolle Erlebnisse zu haben. Also hoch mit dem Arsch und raus an die frische Luft. Vom Hostel ins Zentrum ist’s eine gute Meile, also 1,6 Kilometer und beim laufen werde ich wieder wacher und bin schon happy über meine Entscheidung.


Ich erinnere mich an das National Museum of Scotland und beschließe dort kurzer Hand meinen Tag zu verbringen. Ich habe in der Stadt schon Plakate von Ausstellungen gesehen die mich interessieren und der kleine Technik-Nerd in mir freut sich auf auf „The Typewriter Revolution“ und als Körperweltenfan steht auch „Anatomy - a matter of death and life“ ganz oben auf der Wunschliste.

Dort angekommen stelle ich fest, dass die Anatomy-Ausstellung erst morgen beginnt und heute nur von Mitgliedern und Sponsoren des Museums besucht werden kann. Glücklicherweise bekomme ich von einer netten Mitarbeiterin am Infoschalter die Empfehlung, dass die Dauerausstellung zur Geschichte Schottlands, beginnend mit der Bewegung der tektonischen Platten, wirklich sehenswert sei. Also gut, ich bin ja auch hier weil mich das Land und nicht nur der Whisky interessiert.


Um die Ausstellung chronologisch zu beschreiten beginne ich im zweiten Untergeschoss und lerne dort bereits den, für mich spannendsten, Fakt. Die Highlands, mein Lieblingsgebirge mit dem leckeren Gerstenbrand sind entstanden weil sich zwei tektonische Platten getroffen haben und aneinander rieben. Außerdem stolpere ich noch über eine ganz interessante Übersicht wie sich die Kirche in England entwickelt hat, nachdem man sich von den katholischen Kirche bekanntermaßen distanziert hat. Mein Blick bleibt noch an einem interessanten Stück hängen, ich betrachte es lange aber sein Sinn, Zweck oder Nutzen erschließt sich mir nicht. Ich werde nicht schlau daraus aber ich kann meinen Blick nicht so recht davon lösen. Die kleine 24 bietet sich an aber mein innerer Stolz will noch nicht so recht auf die Tafel mit den Erklärungen schauen, denn eigentlich möchte ich gerne die Antwort in meinem Hirn finden was mich da so fasziniert. Schlussendlich finde ich diese Antwort aber nicht, gebe mir selbst nach und lese um was es sich handelt. Einen Eye-Catcher, der nur dafür entworfen wurde um Blicke anzuziehen und um Gespräche über die Handwerkskunst anzuregen. Ja dann, well played Mr. J. Imre und Mr. J. Cuthbert, well played.


 Im obersten Stockwerk wird die Geschichte Schottlands schon fast zu einer popkulturellen Ausstellung und stolpere über ein Plakat sowie ein Autogramm und ein paar Zeilen von Ewan McGregor alias Mark Renton. Lange war dieser Film in meinem Kopf in Vergessenheit geraten, aber ja klar, für die Schotten ist es fast ein nationales Heiligtum, so spielt er doch auch in Edinburgh. Ich denke in den kommenden Wochen oder Tagen kommt vielleicht ein verregneter Tag und ich kann ihn einfach mal wieder schauen. 


Recht weit am Ende der Ausstellung finde ich zufällig den Zugang zur Dachterrasse des Museums und kann ein paar Sonnenstrahlen genießen und ein bisschen den Rundblick über die Dächer der Stadt genießen. Hier gefällt es mir, ich mag die Ruhe die von den alten Gebäuden ausgeht und trotzdem hört man das pulsierende Leben in den Straßen. 


Mein Weg nach draußen führt mich durch, wer hätte es erwartet, den Shop des Museums. Viele unterschiedliche Dinge aller Preisklassen werden angeboten. Vom Nessie-Radiergummi für 3.5£ über einen traditionell gemusterten Schal zwischen 20£ und 50£ und einigen guten Flaschen Whisky die schon im dreistelligen Bereich liegen - die Touristen, vorwiegend Asiaten mit Kamera um den Hals kaufen es und tragen die Waren mit zwei vollen Händen zur Kasse. Nein, eigentlich zur Schlange die zur Kasse führt.Es sind Souvenirs, aber eigentlich ist es verhältnismäßig teures Zeug, von minderer Qualität, das niemand wirklich braucht und trotzdem kommt das Personal kaum hinterher die Verkaufstische und die Regale aufzufüllen. Ja ich bin mir über das Klischee mit den Asiaten bewusst, aber heute sehe ich kaum ein europäisch anmutendes Gesicht im Shop des Museums.


Dachte ich. Denn plötzlich tippt mir jemand auf die Schulter und vor mir bzw. bis zu diesem Moment hinter mir steht Sylvanna und lacht mich an. Wir sind uns im Hostel schon im Gemeinschaftsraum über den Weg gelaufen und haben uns an meinem ersten Abend kurz unterhalten. Da war ich allerdings nicht in der Lage und Laune mich dem Pub-Crawl anzuschließen zu dem die Belegschaft des Hostels und Sylvanna aufbrechen wollten. Sie hatte zwar versucht mich zu überzeugen, so dass Sie nicht die einzige ist, die nicht im Hostel arbeitet aber das war erfolglos.


Heute ist Sie unterwegs mit Ivan, seinem Bruder und einem weiteren Freund. Sie hat zuhause in Kanada wohl einen Verlobten aber der hat scheinbar nichts dagegen, wenn Sie im Urlaub einen kleinen Crush hat und Ivan ist in Australien beheimatet, so dass die beiden eigentlich nichts teilen außer Ihrer Muttersprache. Nach ein bisschen Smalltalk werde ich eingeladen mich der Gruppe anzuschließen und ich stimme zu. Wir haben Durst, Bierdurst, denn es ist ja immerhin auch schon nach vier Uhr. Also suchen wir uns eine kleine Spielunke in den Gassen um die Royal Mile an der South Bridge. Die Wahl fällt auf das Bannerman´s, eine Rock & Whisky Bar an der Ecke Colgate / Whisky Row. Eine dunkle Höhle in der vermutlich schon seit mehreren hunderten Jahren getrunken wird. Wir finden eine nette Ecke am Kamin mit Schachtisch und bestellen - ein halbes Pint und einen Whisky. So konnte ich dann gleich meinen Begleitern auch ein bisschen die deutsche Sprache näher bringen, denn natürlich wird es nicht als Herrengedeck angeboten. Nicht das ich kürzlich schon meine Meinung zu blended Whisky überdenken musste, nein heute lerne ich den ersten Single Malt aus den Highlands kennen mit dem ich nicht mal meine Felgen reinigen würde. Diese Brühe mit dem Namen Crabbie´s Yardhead reißt mit 20£ pro Flasche auch keine Löcher in den Geldbeutel aber ganz sicher in die Magenwand.


Aber alles runterschlucken, immerhin ist’s ja schon bezahlt und die Schotten sollen geizig sein, habe ich gehört. Nach einer zweiten Runde schmeckt er etwas egaler und ich habe Guiness zum nachspülen, also lässt es sich aushalten. Da das Bannerman´s zwar Tätowierungen im Nebenzimmer anbietet aber keine Speisekarte hat verlassen wir dieses Etablissement und überlegen wo wir unseren Hunger bekämpfen können. Der zwei Meter große, von Kopf bis Fuß zugehackte Barkeeper steht grade an der Tür und raucht, was liegt da näher als einen mutmaßlichen Einwohner nach einer kulinarischen Empfehlung zu fragen, die keine Touristenfalle ist. 


Seine Empfehlung heißt Wings und der Name ist Program. Es gibt Chicken Wings und Nuggets, ein paar vernachlässigbare Beilagen und das war es auch schon. Naja bis auf die Saucen, davon gibt es ungefähr fünfzig verschiedene, in allen Geschmacksrichtungen, Ausprägungen der Gewürzmischungen,  Schärfegraden und kreativen Namen.

Wir, inzwischen noch zu dritt, entscheiden uns dafür es wie Tapas zu machen und eine große Auswahl zu bestellen und zu teilen. Unsere Wahl fällt auf Tatanka, Captn Sansibar, 3p McCoy, Dancing the blue flame, Ignis Cepa und Disco Bangferno.

Mehr trauen wir uns nicht, da wir nicht wissen wie scharf hier wirklich scharf ist. Es ist zwar nicht Thailand aber immerhin trauen wir uns an die magische 50% Grenze des Möglichen heran. Rückblickend eine sehr weise Entscheidung nach zwei Bier und zwei Whisky auf nüchternen Magen, denn die Wings sind lecker, die Marinade ist wirklich zum Fingerablecken gut und wir werden gut unterhalten durch die verloren wirkenden und sich ratlos umschauenden Touristen die sich in diese verwinkelte Seitenstraße verirrt haben. Ob ich hier ohne die Empfehlung des Barkeepers aus dem Bannerman´s reingelaufen wäre? Fraglich, vielleicht aus Neugierde aber ungeplant vermutlich eher nicht.


Beim Essen sprechen wir  noch über unsere Pläne für die kommenden Tage in Edinburgh und stellen fest, dass wir alle Tickets für Edinburgh Castle gebucht haben und zwar für den Morgen des 03. Juli um 9.30 Uhr. Es ist der letzte Tag für Sylvanna und sie will dann vom Schloss aus zum Flughafen aufbrechen. Es geht nicht direkt nach Hause sondern noch für 3 Wochen zu Ihren Eltern nach Toronto bevor Sie dann weiter nach Vancouver zu Ihrem Verlobten zurückkehren will. Spontan verabreden wir uns im Schloss gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen, da es grade gemeinsam so lustig ist. 



Die Verwerfung entlang der tektonischen Platten in den schottischen Highlands.



Wie es Dwight Eisenhower schon gesagt hat "Pläne sind nichts, Planung ist alles."



Bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass die Ausstellung erst am morgigen 02.07.2022 öffnen wird.



Aber wenigstens diese Ausstellung hat noch bzw. schon offen. Der kleine Technik-Nerd in mir freut sich und ich muss dran denken wie ich als Kind im Kellerbüro in Sennestadt von Papa auf der elektrischen Schreibmaschine getippt habe. Good old times.



Mir war zwar neu, dass Tom Hanks eine Begeisterung für Schreibmaschinen hat, aber ich teile seine Sicht auf die Dinge und das Zitat ist bemerkenswert. Wie ich das so sehe und hier meinen Kommentar dazu tippe kommt in mir die Frage nach der Entscheidung für die Schriftart der Bildunterschriften auf.



Mignon Model von AEG aus Berlin.



Beschreibung zur Funktionsweise des Mignon Model von AEG aus Berlin.



Gestetner Rotary Cyclostyle No 6 duplicator aus London.
Eine frühe Vervielfältigungsmaschine, noch vor der Entwicklung des Kopierers.



Erklärung zur Funktion des Gestetner Rotary Cyclostyle No 6 duplicator aus London.



Brother TC600 electronic typewriter aus Japan.
Schon fast ein kleiner Computer bzw. eigentlich nur eine Textverarbeitungseinheit mit Bildschirm und eingebautem Drucker.



Beschreibung des Brother TC600 electronic typewriter aus Japan.



Sneak Preview zu noch viel mehr Geschichte Edinburghs die in den kommenden Tagen auf mich Eindruck machen wird. 



Die Wege des Herrn sind unergründlich, die der Kirche schon.



Well played Mr. J. Imre und Mr. J. Cuthbert, well played.



Der Eyecatcher von Mr. J. Imre und Mr. J. Cuthbert.



Choose life!



Blick auf das Schloss vom Dach des Museums, die Vorfreude steigt.



Die Ecke "Cow Gate" und "Whisky Row".

Weil man es so besser sieht.



Bannerman´s Rock & Whisky Bar, weit weg von den Touristenströmen aber mitten im Herzen der Stadt.



So gut, wir brauchten keine Servietten aber die Finger waren danach trotzdem sauber.



Eine riesige Auswahl und so wenig Zeit in Edinburgh.



Wings... Ja manchmal braucht man sie doch etwas mehr.



Nein, kein Felgenreiniger.













Kommentare

  1. Die Typewriter-Ausstellung hört sich toll an. Wenn ich bedenke, dass ich in meiner Ausbildung mit einer manuellen Schreibmaschine angefangen habe (da brauchte man noch richtig Kraft in den Fingern) komme ich mir grade uralt vor 😉. Irgendwann hatte ich dann so was ähnliches wie die abgebildete Brother, das war dann Hightech pur 😀

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